MIFARE Classic® EV1 4K: Technische Daten, Sicherheit und Einsatz

Der MIFARE Classic EV1 4K von NXP ist ein kontaktloser HF-RFID-Chip mit 13,56 MHz und 4 KB EEPROM. Er arbeitet nach ISO/IEC 14443 Type A und bietet mit 40 getrennt konfigurierbaren Sektoren deutlich mehr Speicher als die 1K-Variante. NXP nennt unter anderem Zutrittskontrolle, Mitarbeiterausweise, Campus-Karten, Parksysteme, öffentliche Verkehrsmittel und Loyalty-Anwendungen als Einsatzgebiete.

Heute ist MIFARE Classic EV1 4K vor allem für bestehende Systeme interessant, die mehr Speicher als die 1K-Variante benötigen. Die verwendete CRYPTO1-Verschlüsselung wurde bereits 2008 praktisch angegriffen. NXP führt die Produktfamilie weiterhin als „Active“, empfiehlt sie aber nicht mehr für neue Designs und verweist stattdessen auf MIFARE® DESFire® Light.

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MIFARE Classic EV1 4K auf einen Blick

Merkmal Wert
Hersteller NXP Semiconductors
Produktfamilie MIFARE Classic EV1
Typenbezeichnung MF1S70yyX/V1
RFID-Klasse HF
Frequenz 13,56 MHz
Standard ISO/IEC 14443 Type A
Datenrate 106 kbit/s
EEPROM 4.096 Byte
Speicheraufbau 40 Sektoren: 32 × 4 Blöcke und 8 × 16 Blöcke, je 16 Byte
Standard-Datenblöcke 215 Blöcke bzw. 3.440 Byte außerhalb von Sector Trailern und Manufacturer Block
Authentifizierung Gegenseitige 3-Pass-Authentifizierung
Verschlüsselung CRYPTO1
Schlüsselverwaltung Key A und optional Key B je Sektor
UID 7-Byte-UID oder 4-Byte-NUID, abhängig von der Variante
Anti-Collision Ja
Lesereichweite bis 100 mm laut NXP, abhängig von Antenne und Reader
Schreibzyklen Mindestens 100.000, typisch 200.000 bei 22 °C
Datenerhalt Mindestens 10 Jahre bei 22 °C
Smartphone-NFC Eingeschränkt und geräteabhängig
Produktstatus bei NXP Active – nicht für neue Designs empfohlen
Typische Medien RFID-Karte, Keyfob, Wristband und Sondertransponder
Sicherheitseinstufung Legacy
Empfehlung Vor allem für bestehende Installationen mit höherem Speicherbedarf

 

NXP gibt für MIFARE Classic EV1 4K 4 KB EEPROM, 40 Sektoren, 106 kbit/s Datenrate und eine Betriebsdistanz von bis zu 100 mm an. Der Speicher besteht aus insgesamt 256 Blöcken mit je 16 Byte. 40 davon sind Sector Trailer, Block 0 enthält die schreibgeschützten Herstellerdaten. Daraus ergeben sich 215 reguläre Datenblöcke mit insgesamt 3.440 Byte.

Typische Anwendungen und Medienformen

MIFARE Classic EV1 4K wird vor allem dort eingesetzt, wo eine bestehende Installation mit MIFARE Classic mehr Speicher als die 1K-Variante benötigt. NXP nennt unter anderem Zutrittskontrolle, Mitarbeiterausweise, Campus-Karten, öffentliche Verkehrssysteme, Parkanwendungen und Loyalty-Systeme. Die größeren Sektoren können außerdem für Anwendungen mit umfangreicheren Datenstrukturen genutzt werden. Der Chip unterstützt spezielle Value Blocks mit Befehlen zum Erhöhen und Verringern gespeicherter Werte.

Typische Einsatzbereiche sind:

Der Chip kann je nach Projekt unter anderem in RFID-Karten, Keyfobs, Wristbands und Sondertranspondern eingesetzt werden.

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Sicherheit von MIFARE Classic 4K

Sicherheitsniveau: Legacy

MIFARE Classic EV1 4K nutzt wie die 1K-Variante den proprietären Stromchiffre CRYPTO1. Jeder der 40 Sektoren besitzt einen eigenen Key A und kann zusätzlich einen Key B verwenden. Vor dem Zugriff auf einen Sektor erfolgt eine gegenseitige 3-Pass-Authentifizierung. Nach erfolgreicher Authentifizierung verschlüsselt CRYPTO1 die weitere Kommunikation.

Die Kryptografie gilt heute als gebrochen. Bereits 2008 beschrieben Forscher praktische Angriffe auf MIFARE Classic. Weitere Arbeiten zeigten, dass sich der vollständige 48-Bit-Schlüssel von CRYPTO1 mit bekannten Daten rekonstruieren lässt.

Mehr Speicher bedeutet bei MIFARE Classic 4K deshalb nicht mehr Sicherheit. Für bestehende Anlagen kann der Chip weiterhin erforderlich sein. Bei neuen Zutrittssystemen mit Sicherheitsanforderungen sollte eine aktuelle Chipfamilie geprüft werden. NXP selbst empfiehlt MIFARE Classic EV1 nicht mehr für neue Designs.

Vor- und Nachteile der MIFARE Classic 4K

+ Vorteile Nachteile

4 KB EEPROM für bestehende Anwendungen mit höherem Datenbedarf

CRYPTO1 gilt als kryptografisch gebrochen
3.440 Byte regulärer Datenbereich  Mehr Speicher verbessert das Sicherheitsniveau nicht
40 getrennt konfigurierbare Sektoren  Für neue Designs von NXP nicht empfohlen
Value Blocks für Zähler- und Guthabenanwendungen Smartphone-Unterstützung nicht universell

Alternativen zu MIFARE Classic 1K

Je nach Anwendung, Speicherbedarf und Sicherheitsanforderung können andere Chiptypen besser geeignet sein.

MIFARE Classic 1K im Detail
HF Bestand

MIFARE Classic 1K

Für bestehende Zutritts- und Hotelsysteme mit geringerem Speicherbedarf.

Sicherheit Gebrochen
Speicher 1 KB
Preis 0,35–0,75 €
MIFARE Classic 1K im Detail
MIFARE DESFire EV3 im Detail
HF / NFC Empfehlung

MIFARE DESFire EV3

Für neue Zutritts-, Ausweis- und Multifunktionssysteme.

Sicherheit AES-128
Speicher 2 / 4 / 8 KB
Preis 1,10–2,10 €
MIFARE DESFire EV3 im Detail
NTAG 213 / 215 / 216 im Detail
HF / NFC Empfehlung

NTAG 213 / 215 / 216

Für NFC-Anwendungen mit Smartphones und NDEF-Inhalten.

Sicherheit PWD
Speicher 144–888 B
Preis 0,25–0,50 €
NTAG 213 / 215 / 216 im Detail

Häufige Fragen zu MIFARE Classic 4K

 

Wie viel Speicher hat MIFARE Classic 4K?
MIFARE Classic EV1 4K besitzt 4.096 Byte EEPROM. Der Speicher besteht aus 40 Sektoren. Die ersten 32 Sektoren enthalten jeweils vier Blöcke, die letzten acht Sektoren jeweils 16 Blöcke. Jeder Block ist 16 Byte groß. Von den insgesamt 256 Blöcken sind 40 als Sector Trailer für Schlüssel und Zugriffsrechte vorgesehen. Hinzu kommt der Manufacturer Block in Sektor 0. Außerhalb dieser Bereiche bleiben 215 reguläre Datenblöcke mit insgesamt 3.440 Byte. Einzelne Bytes der Sector Trailer können abhängig von der Konfiguration zusätzlich als Daten genutzt werden.
Wie sicher ist MIFARE Classic 4K?
MIFARE Classic 4K verwendet dieselbe CRYPTO1-Kryptografie wie die 1K-Variante. Der größere Speicher bringt deshalb keinen Sicherheitsvorteil. Praktische Angriffe auf CRYPTO1 sind seit 2008 veröffentlicht. Die Forschung beschreibt unter anderem das Auslesen geschützter Speicherbereiche und die Rekonstruktion des 48-Bit-Schlüssels. Für neue Anwendungen mit hohen Sicherheitsanforderungen sollte der Chip daher nicht eingesetzt werden. NXP führt MIFARE Classic EV1 weiterhin als aktives Produkt, empfiehlt es aber nicht mehr für neue Designs.
Kann man MIFARE Classic 4K mit einem Smartphone lesen?
Teilweise. Android besitzt mit MifareClassic eine eigene Schnittstelle für MIFARE Classic 4K und führt die 4K-Variante mit 4.096 Byte und 40 Sektoren ausdrücklich auf. Die Implementierung dieser Schnittstelle ist für Gerätehersteller jedoch optional. Ein Android-Smartphone mit NFC unterstützt deshalb nicht automatisch den vollständigen Zugriff auf MIFARE Classic. Apple stellt über Core NFC eine Schnittstelle zum Senden nativer Befehle an kompatible ISO/IEC-14443-A-Tags bereit. MIFARE Classic wird in Apples Liste der eigenständig ausgewiesenen Produktfamilien jedoch nicht separat geführt. Für eine Smartphone-Anwendung sollte die gewünschte Funktion deshalb mit den vorgesehenen Geräten getestet werden. Für einfache NFC-Anwendungen wie URLs oder digitale Visitenkarten sind Chips der NTAG-Familie meist die passendere Wahl.
Welche Reader unterstützen MIFARE Classic 4K?
Der Reader muss mit 13,56 MHz und ISO/IEC 14443 Type A arbeiten und die Authentifizierung sowie Speicherbefehle von MIFARE Classic verarbeiten können. Die Unterstützung von ISO/IEC 14443 Type A allein reicht nicht aus, um die Funktion in einer bestehenden Anlage zu garantieren. Vor jedem Speicherzugriff authentifiziert sich das System für den jeweiligen Sektor mit Key A oder Key B. Bei einer Ersatz- oder Nachbestellung sollten deshalb der vorhandene Reader, die Codierung, die Schlüsselstruktur und die verwendete UID-Variante geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen MIFARE Classic 4K und 1K?
Der größte Unterschied ist der verfügbare Speicher.

Merkmal Classic 1K Classic 4K
EEPROM 1.024 Byte 4.096 Byte
Sektoren 16 40
Reguläre Datenblöcke 47 215
Regulärer Datenbereich 752 Byte 3.440 Byte
Kryptografie CRYPTO1 CRYPTO1

Die 4K-Variante eignet sich damit für bestehende Anwendungen, die mehr Daten oder mehr getrennte Speicherbereiche benötigen. Das Sicherheitsniveau ist bei beiden Varianten gleich, da beide CRYPTO1 verwenden. NXP und Android dokumentieren die unterschiedlichen Speicherorganisationen der beiden Varianten.

Was ist der Unterschied zwischen MIFARE Classic 4K und MIFARE DESFire?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Sicherheitsarchitektur. MIFARE Classic arbeitet mit CRYPTO1 und einer sektorbasierten Speicherstruktur. Aktuelle Produkte aus der Familie MIFARE DESFire setzen auf neuere kryptografische Verfahren und eignen sich deshalb besser für neue Anwendungen mit höheren Sicherheitsanforderungen. NXP selbst empfiehlt MIFARE Classic EV1 nicht mehr für neue Designs und verweist als Alternative auf MIFARE DESFire Light. Für eine bestehende Anlage kann MIFARE Classic 1K trotzdem die richtige Wahl sein, wenn Reader und Backend genau diesen Chip erwarten.
Wann ist MIFARE Classic 4K heute noch sinnvoll?
Der Chip ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine bestehende Installation MIFARE Classic 4K erwartet oder die 1K-Variante für die vorhandene Anwendung zu wenig Speicher bietet. Typische Fälle sind Ersatzkarten, zusätzliche Mitarbeiterausweise, bestehende Guthaben- oder Campus-Anwendungen und ein Wechsel der Medienform von Karte zu Keyfob oder Wristband. Für eine neue sicherheitskritische Zutrittsanlage sollte dagegen eine aktuelle Chipfamilie geprüft werden. NXP kennzeichnet MIFARE Classic EV1 selbst als nicht für neue Designs empfohlen.
Wird MIFARE Classic 4K noch produziert?
Ja. NXP führt die Produktfamilie MIFARE Classic EV1 1K / 4K aktuell mit dem Status „Active“. Gleichzeitig steht auf der Produktseite der Hinweis, dass sie nicht für neue Designs empfohlen wird. Als Alternative nennt NXP MIFARE DESFire Light. MIFARE Classic EV1 4K bleibt damit für bestehende Anlagen und Ersatzbedarf verfügbar, während bei neuen Projekten eine aktuelle Chipfamilie geprüft werden sollte.

 

 

Technische Quellen

Datenstand: August 2026

Die technischen Angaben basieren auf dem NXP-Produktdatenblatt MF1S70YYX_V1, MIFARE Classic EV1 4K, Rev. 3.2 vom 23. November 2017. Das Datenblatt beschreibt unter anderem die 4.096 Byte EEPROM, die Aufteilung in 40 Sektoren, UID-Varianten, CRYPTO1, Betriebsdistanz, Schreibzyklen und Speicherorganisation.

NXP führt MIFARE Classic EV1 im August 2026 als Active, aber als „not recommended for new designs“.

Die Sicherheitseinschätzung berücksichtigt die 2008 veröffentlichten Arbeiten A Practical Attack on the MIFARE Classic von Gerhard de Koning Gans, Jaap-Henk Hoepman und Flavio D. Garcia sowie Algebraic Attacks on the Crypto-1 Stream Cipher in MiFare Classic and Oyster Cards von Nicolas T. Courtois, Karsten Nohl und Sean O'Neil.

Die Angaben zur Smartphone-Unterstützung basieren auf der aktuellen Android-Dokumentation zu MifareClassic und Apples Core-NFC-Dokumentation. Android beschreibt die 4K-Variante ausdrücklich mit 4.096 Byte und 40 Sektoren und weist darauf hin, dass die Implementierung von MifareClassic auf einem NFC-Gerät optional ist.

Markenhinweis

MIFARE und MIFARE Classic sind Marken der NXP B.V.

Die Schreibweise auf dieser Seite folgt den MIFARE Trademark and Branding Guidelines, Rev. 5.2 vom 10. März 2025. Danach muss die Marke als „MIFARE Classic“ geschrieben werden, bei der ersten oder prominentesten Nennung mit dem ®-Zeichen. Die Bezeichnung darf nicht getrennt oder mit Bindestrichen verändert werden. NXP untersagt außerdem Formulierungen wie „MIFARE Compatible“, „MIFARE Reader“, „MIFARE Protocol“ sowie die früher verbreiteten Bezeichnungen „MIFARE S50“ und „MIFARE S70“.

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