HITAG® S: Technische Daten, Sicherheit und Einsatz

HITAG S ist eine LF-RFID-Produktfamilie von NXP Semiconductors für kontaktlose Identifikationsanwendungen. Die passiven Transponder arbeiten im Frequenzbereich von 100 bis 150 kHz und sind als HITAG S256 mit 256 Bit sowie als HITAG S2048 mit 2.048 Bit EEPROM erhältlich. Beide Varianten nutzen dasselbe Protokoll und unterstützen Anti-Collision.

HITAG S richtet sich vor allem an industrielle Identifikations- und Bestandsanwendungen sowie vorhandene HITAG-Infrastrukturen. NXP nennt unter anderem Tieridentifikation, Wäschereiautomation sowie die Logistik von Fässern und Gasflaschen. Für die Authentifizierung steht ein proprietäres Verfahren mit einem geheimen 48-Bit-Schlüssel zur Verfügung. Die aktuelle NXP-Produktseite kennzeichnet HITAG S inzwischen als „Not Recommended for New Designs“.

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HITAG S auf einen Blick

Merkmal Wert
Hersteller NXP Semiconductors
Produktfamilie HITAG S
Varianten HITAG S256 / HITAG S2048
Typenbezeichnung HTSICH56 / HTSICH48
RFID-Klasse LF
Frequenzbereich 100–150 kHz
Standards ISO 11784/85; auf Infrastruktur für ISO 14223 und ISO 18000-2 ausgerichtet
Datenrate Reader → Transponder 5,2 kbit/s
Datenrate Transponder → Reader 2 / 4 / 8 kbit/s
EEPROM / Gesamtspeicher 256 Bit (32 Byte) oder 2.048 Bit (256 Byte)
Speicheraufbau S2048 64 Seiten à 4 Byte; 16 Blöcke mit jeweils 4 Seiten
Authentifizierung Verschlüsselte Challenge-Authentifizierung mit geheimem 48-Bit-Schlüssel
Datenverschlüsselung Keine Verschlüsselung der Datenübertragung nach erfolgreicher Authentifizierung
UID 32 Bit
Anti-Collision Ja; Fast-Anticollision-Protokoll
Betriebsmodi Reader Talks First; optional Transponder Talks First
Speicherschutz Secure Memory Lock
Schreibzyklen Bis zu 100.000 Lösch-/Schreibzyklen
Datenerhalt Mindestens 10 Jahre bei Umgebungstemperatur ≤ 55 °C laut Datenblatt
Smartphone-NFC Nein, nicht direkt über das NFC-Modul normaler Smartphones
Produktstatus bei NXP Not Recommended for New Designs
Typische Medien RFID-Karte und anwendungsspezifische LF-Sondertransponder
Sicherheitseinstufung Legacy / 48-Bit-Authentifizierung
Empfehlung Vor allem für bestehende HITAG-S-Infrastruktur und spezialisierte LF-Anwendungen

 

HITAG S arbeitet nicht nur als einfacher LF-Kennungsträger. Die Produktfamilie bietet Schreib-/Lesespeicher, Anti-Collision, Reader-Talks-First und optional Transponder-Talks-First sowie eine Secure-Memory-Lock-Funktion. Die S2048-Variante organisiert ihre 2.048 Bit in 64 Seiten zu je vier Byte. Die Authentifizierung schützt den Zugang, die anschließende Datenübertragung selbst wird laut Datenblatt jedoch nicht verschlüsselt.

Typische Anwendungen

HITAG S wurde von NXP für LF-Anwendungen entwickelt, bei denen beschreibbarer Speicher, die Erfassung mehrerer Transponder und die Integration in bestehende HITAG-Infrastruktur benötigt werden.

Typische Anwendungen sind:

  • Tieridentifikation nach ISO 11784/85
  • Wäschereiautomation
  • Logistik und Identifikation von Bierfässern
  • Logistik und Identifikation von Gasflaschen
  • Taubensport und entsprechende Identifikationssysteme
  • Brand-Protection-Anwendungen

NXP bietet den IC unter anderem als Wafer, Chipkartenmodul und HVSON2-Bauteil an. Für kundenspezifische RFID-Medien kommen abhängig von Reader, Antennenauslegung und Einsatzumgebung beispielsweise RFID-Karten oder robuste Sondertransponder infrage.

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Sicherheit

Sicherheitsniveau: Legacy / proprietäre 48-Bit-Authentifizierung

HITAG S kann im Authentication Mode mit einem geheimen 48-Bit-Schlüssel arbeiten. Bei der Challenge-Authentifizierung sendet der Reader eine 32-Bit-Zufallszahl und einen daraus erzeugten geheimen Datenstrom. Der Transponder prüft diesen und antwortet bei erfolgreicher Authentifizierung mit einer geheimen 32-Bit-Antwort.

Diese Funktion darf nicht mit AES verwechselt werden. Das aktuelle NXP-Datenblatt nennt ausdrücklich eine „48 bit secret key based encrypted authentication“, nicht AES. Nach erfolgreicher Authentifizierung sind Lese- und Schreibzugriffe möglich, die eigentliche Datenübertragung erfolgt laut Datenblatt auch im Authentication Mode unverschlüsselt.

Für bestehende HITAG-S-Systeme kann die Authentifizierung weiterhin Bestandteil des vorhandenen Sicherheitskonzepts sein. Für neue Anwendungen mit höheren Anforderungen an moderne Kryptografie und verschlüsselte Kommunikation sollte dagegen ein aktuelleres System geprüft werden.

Vor- und Nachteile des HITAG S

+ Vorteile − Nachteile
256-Bit- und 2.048-Bit-Variante mit demselben Protokoll Von NXP nicht mehr für neue Designs empfohlen
Beschreibbarer EEPROM statt reiner Festkennung Proprietäre 48-Bit-Authentifizierung statt aktueller AES-Kryptografie
Anti-Collision für mehrere Transponder im Readerfeld Datenübertragung nach der Authentifizierung nicht verschlüsselt
Secure Memory Lock zum Schutz von Speicherbereichen Keine direkte Smartphone-NFC-Unterstützung
Für bestehende HITAG-Infrastruktur ausgelegt Maximal 256 Byte Gesamtspeicher

Alternativen zu HITAG S

Je nach vorhandener Reader-Infrastruktur, Sicherheitsanforderung und benötigtem Speicher können andere Chiptypen besser geeignet sein. Ein Wechsel von LF auf HF ist allerdings kein direkter Chiptausch und kann neue Reader oder eine geänderte Systemarchitektur erfordern.

EM4100 / EM4200 im Detail
LF Bestand Symbolbild EM Microelectronic EM4100 / EM4200

EM4100 / EM4200

Für ältere 125-kHz-Zutrittssysteme und Schlüsselanhänger.

Sicherheit Keine
Speicher 64–128 Bit ROM
EM4100 / EM4200 im Detail
MIFARE DESFire EV3 im Detail
HF / NFC Empfehlung Symbolbild NXP MIFARE DESFire EV3

MIFARE DESFire EV3

Für neue Zutritts-, Ausweis- und Multifunktionssysteme.

Sicherheit AES-128
Speicher 2 / 4 / 8 / 16 KB
MIFARE DESFire EV3 im Detail
LEGIC advant im Detail
HF Empfehlung Symbolbild LEGIC advant

LEGIC advant

Für sichere Zutritts- und Multifunktionsanwendungen.

Sicherheit 3DES / AES
Speicher 4 KB
LEGIC advant im Detail

Häufige Fragen zu HITAG S

Illustration FAQ zu RFID-Chiptypen

 

Welche Varianten von HITAG S gibt es?
NXP unterscheidet zwei Speichergrößen: HITAG S256 besitzt insgesamt 256 Bit Read/Write-Speicher, HITAG S2048 insgesamt 2.048 Bit. Beide Varianten arbeiten mit demselben HITAG-S-Protokoll. Die S2048-Version stellt den Speicher in 64 Seiten zu je vier Byte beziehungsweise 16 Blöcken mit jeweils vier Seiten bereit.
Hat HITAG S 2 KB Speicher?
Nein. Die Angabe „2 KB“ wäre technisch falsch. HITAG S2048 besitzt 2.048 Bit, also 256 Byte Gesamtspeicher. HITAG S256 besitzt 256 Bit beziehungsweise 32 Byte.
Verwendet HITAG S AES?
Nein. Das NXP-Datenblatt beschreibt für HITAG S eine verschlüsselte Authentifizierung auf Basis eines geheimen 48-Bit-Schlüssels. AES wird für HITAG S im Datenblatt nicht genannt.
Werden die Daten bei HITAG S verschlüsselt übertragen?
Nicht nach erfolgreicher Auswahl des Transponders. Im Authentication Mode wird zunächst eine verschlüsselte Challenge-Sequenz durchgeführt. Nach erfolgreicher Authentifizierung wechselt der Transponder in den Selected State. NXP weist ausdrücklich darauf hin, dass die anschließende Datenübertragung auch im Authentication Mode nicht verschlüsselt ist.
Kann HITAG S mehrere Transponder gleichzeitig erkennen?
HITAG S besitzt ein Anti-Collision-Verfahren. Befinden sich mehrere Transponder im Feld, kann der Reader ihre UIDs schrittweise ermitteln und anschließend einen bestimmten Transponder auswählen. NXP gibt für das Fast-Anticollision-Protokoll als Leistungsangabe die Erfassung von 100 Tags in 3,2 Sekunden an. Die tatsächlich erreichbare Leistung hängt vom Reader und der jeweiligen Anwendung ab.
Kann man HITAG S mit einem Smartphone lesen?
Nicht direkt mit dem üblichen NFC-Modul eines Smartphones. HITAG S arbeitet im LF-Bereich von 100 bis 150 kHz, während Smartphone-NFC bei 13,56 MHz arbeitet. Für HITAG S wird deshalb ein dafür ausgelegter LF-Reader benötigt.
Welche Reader unterstützen HITAG S?
Ein Reader muss das HITAG-S-Protokoll und den entsprechenden LF-Frequenzbereich unterstützen. NXP entwickelte HITAG S als Erweiterung der bestehenden HITAG-Infrastruktur und verweist auf die Nutzung vorhandener Reader-Infrastruktur. Für einen Austausch oder eine Nachbestellung sollte trotzdem die konkrete Reader- und Systemunterstützung geprüft werden, statt allein von der Frequenz auf Kompatibilität zu schließen.
Kann der Speicher von HITAG S gesperrt werden?
Ja. NXP nennt eine „Secure Memory Lock functionality“. Die Speicherorganisation enthält Konfigurations- und Zugriffsparameter, über die Speicherbereiche geschützt werden können. Eine dauerhafte Sperrung sollte deshalb erst vorgenommen werden, wenn Codierung und Datenstruktur endgültig feststehen.
Ist HITAG S noch für neue Projekte vorgesehen?
NXP führt HITAG S weiterhin auf seiner Produktwebsite, kennzeichnet die Produktfamilie aktuell jedoch als „Not Recommended for New Designs“. Bei bestehenden HITAG-S-Systemen kann der Chip für kompatible Ergänzungen oder Ersatzbedarf weiterhin relevant sein. Bei einer neuen Systemarchitektur sollten dagegen aktuelle Alternativen anhand von Reader-Kompatibilität, Sicherheitsbedarf und Anwendung geprüft werden.

 

 

RFID-Medien mit HITAG S anfragen

Sie benötigen RFID-Medien mit HITAG S für ein vorhandenes System?

Für die Prüfung sind insbesondere die gewünschte Medienform und Stückzahl, der vorhandene Reader beziehungsweise das eingesetzte System sowie die benötigte HITAG-S-Variante und Codierung hilfreich. Bei bestehenden Installationen sollte möglichst auch ein vorhandener Transponder oder die genaue Readerbezeichnung bekannt sein.

RFID-MEDIEN MIT HITAG S ANFRAGEN

Technische Quellen

Datenstand: September 2026

Die technischen Angaben basieren auf dem NXP-Datenblatt „HITAG® S transponder IC – HTSICH56; HTSICH48“, Rev. 3.1 vom 11. Dezember 2014, sowie der aktuellen NXP-Produktseite zur HITAG-S-Familie. Das Datenblatt beschreibt unter anderem die Varianten HITAG S256 und HITAG S2048, Speicherorganisation, Datenraten, Anti-Collision, unterstützte Standards und die 48-Bit-Schlüssel-basierte Authentifizierung.

Markenhinweis

HITAG ist eine Marke der NXP B.V.

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